Eine Reise ins Herz der Medina.

Beginnen Sie Ihren Besuch zur Zeit der „Grünen Sahara“ und reisen Sie anschließend in den Fußspuren von Bert Flint von Marrakesch nach Timbuktu und zurück über die „Westliche Route“.

Die „Grüne Sahara“

Das Silicon Valley der Jungsteinzeit

Die Sahara war nicht immer eine Wüste. Im Gegenteil: Während des Neolithikums war die Sahara eine Art „Silicon Valley“. Hier begannen die Menschen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.
— Bert Flint

Beginnen Sie Ihre Reise mit einem Sprung zurück in die Vergangenheit! Vor etwa 7.000 Jahren war die Sahara noch eine weitläufige Graslandschaft mit Schilfgürteln entlang von Seen und Wasserstellen. Unsere Vorfahren konnten das Papyrus zur Seite schieben, um einen Blick auf Krokodile, Giraffen, Büffel, Antilopen und Elefanten zu erhaschen. Sie lebten von Jagd und Sammeln, stellten jedoch bereits Tongefäße her und schufen Felszeichnungen. Allmählich entwickelten sich nomadische Viehzucht und Landwirtschaft. Davon zeugen die Felsmalereien sowie die Figuren, Werkzeuge und Keramikobjekte in unserer Sammlung.

Als die Sahara vor etwa 5.000 Jahren zunehmend trockener wurde, sahen sich ihre Bewohner gezwungen, in die Gebiete nördlich und südlich der Wüste auszuwandern. Bis heute teilen die Völker in und um die Sahara ein gemeinsames kulturelles Erbe, das auf diese frühe Geschichte zurückgeht. (Übersetzung des Ausstellungspanels)

1

Mittlerer Atlas

von

Marrakesch nach Fès

Die Kraft der Volkskunst liegt darin, dass sie die verschiedenen Funktionen eines Objekts nicht voneinander trennt. Die ästhetische Dimension ist schlicht die harmonische Integration all dieser Funktionen in eine Form, die dem Auge gefällt.
— Bert Flint

Nach einem Besuch in Bert Flints Kleiderladen verlassen Sie Marrakesch und ziehen weiter in Richtung des Mittleren Atlasgebirges. Die Menschen, die dort leben, beschäftigten sich traditionell mit Viehzucht auf Sommer- und Winterweiden in unterschiedlichen Höhenlagen. Für die Herstellung von Gebrauchsgegenständen nutzten sie die Materialien, die ihnen zur Verfügung standen: pflanzliche Fasern, Ton und Zedernholz. Hier entdecken Sie einige dieser handwerklichen Schöpfungen.

Neben der Funktionalität ist auch die Ästhetik eines Gegenstandes von größter Bedeutung. Gegenstände dienen nicht nur als Zeichen sozialen Status, sondern bestimmten Formen und Verzierungen wird darüber hinaus eine magische Kraft zugeschrieben. (Übersetzung des Ausstellungspanels)

2

Östlicher Hoher Atlas

von

Fès nach Imilchil

In den Webarbeiten der Nomaden spiegelt das Fehlen eines zentralen Motivs möglicherweise die Tatsache wider, dass sie den Raum nicht aus der Perspektive eines festen Wohnsitzes wahrnehmen.
— Bert Flint

Die Reise führt weiter vom Mittleren Atlas in den Östlichen Hohen Atlas. Unterwegs begegnen Sie halbnomadischen Amazigh-Familien, die sich hier unterhalb der Sommerweiden niedergelassen haben und in schwarzen, gewebten Zelten wohnen. Ihre Vorfahren ließen sich nach und nach in dieser Region nieder und gaben das Umherziehen mit ihren Herden zwischen weit entfernten Sommer- und Winterweiden auf.

Diese Familien lebten hauptsächlich von der Schaf- und Ziegenhaltung. Sie entdecken, wie sie ihre Zelte errichteten, wie sie Wolle verarbeiteten und wie Frauen ihrer Kreativität in Textilien Ausdruck verliehen. (Übersetzung des Ausstellungspanels)

3

Prä-saharische Oasen

von

Imilchil nachTimimoun

Nomaden erkannten den Nutzen, den sie aus ihren Dromedaren ziehen konnten, durch den lukrativen Transport von Waren zwischen den beiden Seiten der Sahara. Daher waren sie auf gute Beziehungen zu den Bewohnern der Oasen angewiesen, die sie mit Nahrung, Wasser und Datteln versorgten.
— Bert Flint

Wir setzen unsere Reise in südöstlicher Richtung fort, entlang von Tälern, die von Oasen durchzogen sind. Dabei handelt es sich um von Menschen geschaffene grüne Inseln in der Wüste, die mithilfe ausgeklügelter Bewässerungssysteme bewirtschaftet werden. Die Anlage, Bearbeitung und Instandhaltung dieser Oasen erforderten fortwährend harte körperliche Arbeit, die zu einem großen Teil von schwarzen Sklaven verrichtet wurde.

Die meisten sesshaften Bewohner der Oasen waren Bauern, Handwerker oder Karawanenhändler. Viele Juden, die andernorts verfolgt wurden, fanden hier Zuflucht und spezialisierten sich auf die Herstellung von Schmuck.

Machen Sie Halt bei einer Kasbah, einem befestigten Gebäude, das an seinen vier charakteristischen Türmen zu erkennen ist. Unterwegs können Sie Gegenstände betrachten, die typisch für eine sesshafte Wohnkultur sind: Fenster, massive Möbelstücke und Vorratsbehälter, gefertigt aus Lehm, Holz oder Palmfasern. (Übersetzung des Ausstellungspanels)

4

Zentrale Sahara

von

Timimoun nach Agadez

Ein großer Teil der reichen materiellen Kultur dieser Region ist der Kreativität von Frauen zu verdanken, die oft gemeinschaftlich Leder mit großer handwerklicher Meisterschaft bearbeiten und Meisterinnen im Umgang mit Farben sind.
— Bert Flint

Sie befinden sich nun im Herzen der Sahara, in Gesellschaft von Tuareg-Nomaden aus den Konföderationen des Hoggar und des Aïr (im heutigen Algerien und Niger). Bis in die 1960er-Jahre lebten sie hauptsächlich von der Viehzucht mit Ziegen und Dromedaren sowie vom Karawanenhandel.

Die Tuareg des Hoggargebirges zogen im Winter nach Norden. Dort wurden Handwerksprodukte und Textilien aus der Sahelzone gegen Datteln aus den Oasen eingetauscht. Im Sommer luden sie Salz aus den Minen in der Umgebung von Tamanrasset. Im Herbst transportierten sie dieses Salz auf Dromedaren nach Süden, in Richtung Niger.

Jenseits von Agadez wurde das Salz gegen Hirse, Handwerksprodukte und Textilien eingetauscht, die entweder für den Eigenbedarf bestimmt waren oder im nächsten Karawanenzyklus erneut gehandelt wurden. (Übersetzung des Ausstellungspanels)

5

Die Niger-Biegung

von

Agadez nach Déou

Die Tuareg teilen sich die Sahelgebiete mit anderen Völkern der saharischen Diaspora, die ihnen vorausgegangen sind. Sie haben von deren Erfahrung profitiert, sich an die spezifischen Lebensbedingungen der Sahelzone anzupassen.
— Bert Flint

Von Agadez aus führt die Reise westwärts zum Nigerfluss. Sie befinden sich nun in Gesellschaft der Sahel- und Fluss-Tuareg. Auch sie stammen ursprünglich aus der Sahara, mussten ihre traditionelle saharische Kultur jedoch an eine völlig andere Umwelt anpassen. Dadurch entstand eine faszinierende Vermischung afrikanischer und amazighischer Traditionen.

Diese Bevölkerungsgruppen lebten halbnomadisch und wohnten in Zelten aus Tierhäuten oder aus geflochtenen Matten aus Secco (getrocknetem Schilf). Ihr Mobiliar musste leicht transportierbar sein und zugleich Schutz vor am Boden kriechenden Tieren bieten. Zeltpflöcke und Halterungen für Kalebassen sind dafür gute Beispiele.

Hier können Sie eine beeindruckende große Trennmatte bewundern und die Symbolik der sogenannten Botschaftsschmuckstücke der Bella entschlüsseln, einer schwarzen Gemeinschaft, die von ehemaligen Sklaven der Tuareg abstammt. (Übersetzung des Ausstellungspanels)

6

Burkina Faso und Mali

von

Déou nach Timbuktu

Ich möchte gerne auf die Schlüsselrolle von Frauen und weiblichen Werten in afrikanischen Gesellschaften mit agrarischer Tradition hinweisen.
— Bert Flint

Während Ihrer Reise durch Burkina Faso und Mali lernen Sie verschiedene westafrikanische Gemeinschaften kennen. Sie leben sesshaft und waren traditionell von Landwirtschaft und Jagd abhängig. Um das Unsichtbare begreifbar zu machen, beziehen sie sich auf den Grundlagen des Animismus, der Ahnenverehrung und der Komplementarität von Mann und Frau auf.

Nach Ansicht von Bert Flint spiegelt die Betonung matriarchaler Werte in der figürlichen Kunst Westafrikas eine besondere „afrikanische Sensibilität“ wider, die besondere Aufmerksamkeit verdient. Nehmen Sie sich daher Zeit, diese anhand von Masken, Skulpturen und Rituallöffeln zu entdecken.

Begleiten Sie Bert auf seinen Feldforschungen und tauchen Sie ein in die Welt westafrikanischer Legenden. (Übersetzung des Ausstellungspanels)

7

Mauritanien

von

Timbuktu nach Kiffa

Leder ist ein kostbares und edles Material, in dem sich die saharische Kunst am besten zum Ausdruck bringt. Die Bindung zwischen Mensch und Tier ist so eng, dass die Haut eines getöteten Tieres als heilig angesehen wird.
— Bert Flint

Timbuktu, heute ein Synonym für einen abgelegenen und schwer erreichbaren Ort, war im 14. Jahrhundert ein weltberühmtes Zentrum von Wissenschaft und Handel. Die Stadt bildete den südlichen Endpunkt einer transsaharischen Handelsroute für Steinsalz, das aus den Minen der Zentralsahara herangeschafft wurde.

Nachdem Sie gesehen haben, wie die Dromedare beladen werden und die Karawane aufbricht, reisen Sie weiter nach Westen, nach Mauretanien. Unterwegs begegnen Sie Hirten berberischer und arabischer Herkunft, die als Nomaden durch die Wüste ziehen. Sie sehen, wie sie ihr Lager aufschlagen, und können – bequem auf bemalten Lederkissen niedergelassen – ein Glas Tee und eine Partie Dhamma, das traditionelle Wüstenspiel, genießen. (Übersetzung des Ausstellungspanels)

8

Die „Westliche Route“

von

Kiffa nach Akka

Das Sammeln von Steinen und Muscheln, sie nahe bei sich zu behalten und sorgsam mit ihnen umzugehen, sind universelle Gesten, die sich durch die gesamte Geschichte hindurch finden lassen. Diese Zuneigung offenbart das menschliche Bedürfnis, in die Tiefen des Selbst vorzudringen, indem man zum Ursprung der Zeit hinabsteigt.
— Bert Flint

Von Mauretanien aus erreichen Sie Südmarokko, indem Sie erneut die Sahara durchqueren. Diesmal folgen Sie der westlichen Route. Aus dem Süden brachten die Karawanen Gummi arabicum, Häute, vor allem aber Gold aus Ghana und Sklaven mit. Aus dem Norden kamen Stoffe, Schmuck, Datteln, Weizen und Salz.

Dieser Handel brachte auch alte afrikanische Zahlungsmittel in den Norden: Kaurimuscheln und Glasperlen, die einst als Tauschmittel für Sklaven verwendet wurden.

Am nördlichen Ende dieser Handelsroute entwarf Zineb Nefzaouia, die amazighische Ehefrau des ersten Sultans der Almoraviden-Dynastie, Youssef Ibn Tachfin, um das Jahr 1070 die Stadt Marrakesch. Seitdem hat sich dieser Ort zu einem bedeutenden Knotenpunkt für Handel und kulturellen Austausch zwischen dem westlichen Maghreb und dem subsaharischen Afrika entwickelt. (Übersetzung des Ausstellungspanels)

9

Westlicher Hoher Atlas

von

Akka nach Marrakesch

Geometrische Tendenzen in der zeitgenössischen Malerei, in kapitalistischen Ländern oft des übertriebenen Intellektualismus beschuldigt und in sozialistischen Ländern als bürgerlich inspiriert kritisiert, entspringen den Tiefen der menschlichen Seele.
— Bert Flint

Während der letzten Etappe durchqueren Sie den trockenen Anti-Atlas und die fruchtbare Souss-Ebene. Beim Aufstieg in den westlichen Hohen Atlas begegnet Ihnen überall das Motiv des Widders – auf Fibeln, Säulenkapitellen und Pulverhörnern.

Begegnen Sie Bert erneut und entdecken Sie seine Leidenschaft für die geometrische Kunst sowie den Grund, warum er sein Haus Tiskiwin nannte. Der Höhepunkt dieser Reise führt Sie zu abgelegenen Bergmoscheen. Gemeinsam mit Bert bewundern Sie die prachtvoll bemalten Decken, die eine wichtige Inspirationsquelle für die Künstler der Casablanca Art School bildeten – eines postkolonialen Avantgarde-Kollektivs von Malern. (Übersetzung des Ausstellungspanels)